Schreibziel-Rechner: Deadline in Tagespensum
Zielwortzahl, Abgabetermin, deine Schreibtage. Der Rechner sagt dir, wie viele Wörter an einem einzelnen Schreibtag entstehen müssen, damit der Termin hält.
Was der Rechner anders macht
Die Formel ist eine Division: Restwörter geteilt durch Schreibtage. Zwei Stellen entscheiden trotzdem darüber, ob die Zahl stimmt.
Er zählt echte Kalendertage
Der übliche Weg ist Wochen mal Schreibtage. Bei 116 Tagen bis zur Abgabe und drei Schreibtagen pro Woche sind das 16,6 mal 3, also 49,7 Tage. Der Rechner geht stattdessen den Kalender durch und zählt, an wie vielen Montagen, Mittwochen und Freitagen du tatsächlich vorbeikommst. In diesem Fall sind es 50. Der Unterschied ist ein halber Tag und damit egal.
Er ist nicht immer egal. Ich habe fünf Fälle gegengerechnet:
| Fall | echte Schreibtage | Wochen mal Tage | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Nur sonntags, drei Wochen | 4 | 3,0 | 33 Prozent |
| Nur sonntags, acht Wochen | 9 | 8,0 | 12 Prozent |
| Di und Do, sechs Wochen | 12 | 12,0 | 0 Prozent |
| Montag bis Freitag, acht Wochen | 40 | 40,0 | 0 Prozent |
| Mo, Mi, Fr bis Jahresende | 50 | 49,7 | 1 Prozent |
Das Muster ist deutlich. Wer an fünf Tagen die Woche schreibt und ein halbes Jahr Zeit hat, kann getrost mit Wochen rechnen. Wer nur sonntags schreibt und in drei Wochen abgeben muss, verrechnet sich um ein Drittel. Sechstausend Wörter auf vier Sonntage sind 1.500 pro Tag, auf drei gerechnet wären es 2.000. Das ist der Unterschied zwischen machbar und nicht machbar, und er entsteht ausgerechnet dann, wenn es knapp wird.
Er rechnet mit einem Puffer
Der zweite Punkt ist unangenehmer. Menschen schätzen ihre eigene Schreibzeit systematisch zu optimistisch ein.
Roger Buehler, Dale Griffin und Michael Ross ließen 1994 Studierende schätzen, wann sie ihre Abschlussarbeit fertig hätten. Die Schätzung lag im Mittel bei 33,9 Tagen, gebraucht haben sie 55,5. Nur 29,7 Prozent waren zum selbst genannten Termin fertig (Buehler, Griffin & Ross, Journal of Personality and Social Psychology, 1994).
33,9 geteilt durch 55,5 ergibt 0,61. Der Rechner setzt deshalb 60 Prozent deiner geplanten Schreibtage als verlässlich an. Aus 50 Tagen werden 30, aus 1.360 Wörtern werden 2.267.
Die Stichprobe war klein: 33 kanadische Studierende, eine einzige Aufgabe. Als Beweis taugt das nicht. Als Korrekturfaktor ist es besser als der Optimismus, den es ersetzt. Wer den Puffer nicht will, schaltet ihn ab; die Zahl darunter bleibt sichtbar.
Die Studie hinter dem beliebtesten Deadline-Rat gibt es nicht mehr
Der verbreitetste Ratschlag zu Abgabeterminen lautet: setz dir selbst Zwischentermine, gleichmäßig verteilt. Er stützt sich fast überall auf dieselbe Arbeit: Ariely und Wertenbroch, 2002, erschienen in Psychological Science.
Diese Arbeit ist seit dem 2. September 2026 zurückgezogen. Die Rückzugsnotiz nennt drei Gründe: eine Replikation warf Fragen zur Echtheit der Originaldaten auf, ein später geteilter Datensatz ließ sich in Echtheit und Vollständigkeit nicht bestätigen, und eine Untersuchung von Data Colada stellte die Befunde insgesamt infrage. Die Zeitschrift schreibt, sie könne für die Verlässlichkeit der Ergebnisse nicht mehr einstehen (Retraction Notice, Psychological Science, 2026).
Das heißt nicht, dass Zwischentermine schaden. Es heißt, dass der Rat seinen Beleg verloren hat, vier Tage vor diesem Artikel. Wer heute einen Schreibplan baut, sollte sich deshalb weniger auf Regeln aus Studien verlassen und mehr auf eine Rechnung, die er selbst nachprüfen kann. Genau die steht oben.
Zwei Beispiele
Bachelorarbeit, 10.000 Wörter, Montag bis Freitag, acht Wochen. Der Kalender ergibt 40 Schreibtage. Das sind 250 Wörter pro Tag. Mit Puffer bleiben 24 verlässliche Tage und 417 Wörter. Beides sind Zahlen, an denen man einen Abend planen kann.
Roman, 80.000 Wörter, davon 12.000 geschrieben, Mo, Mi, Fr bis Jahresende. 50 Schreibtage, 1.360 Wörter pro Tag, mit Puffer 2.267. An dieser Stelle lohnt die ehrliche Frage, ob 2.267 Wörter an einem Mittwochabend nach der Arbeit realistisch sind. Belastbare Vergleichszahlen dazu gibt es: Vollzeit-Literaturübersetzung liegt bei rund 1.250 Wörtern am Arbeitstag. Wenn der Rechner deutlich darüber landet, ist nicht dein Fleiß das Problem, sondern der Termin oder der Umfang.
Wie schnell die Zahl steigt
Ein Tagespensum ist keine feste Größe. Es wächst mit jedem Tag, an dem nichts entsteht, und zwar erst langsam und dann schnell. Für das Romanbeispiel oben, 68.000 Wörter auf 50 Schreibtage:
| Ausgefallene Tage | Nötiges Pensum | Anstieg |
|---|---|---|
| keiner | 1.360 Wörter | Ausgangswert |
| 1 | 1.388 Wörter | 2 Prozent |
| 3 | 1.447 Wörter | 6 Prozent |
| 5 | 1.512 Wörter | 11 Prozent |
| 10 | 1.700 Wörter | 25 Prozent |
| 15 | 1.943 Wörter | 43 Prozent |
Der erste ausgefallene Tag kostet 28 Wörter am Tag. Das merkt niemand, und genau darin liegt das Problem: Die ersten fünf Ausfälle fühlen sich folgenlos an, weil sie es fast sind. Ab dem zehnten kippt es. Der Puffer von 60 Prozent entspricht bei 50 geplanten Tagen übrigens 20 Ausfällen, also vier Wochen. Wer das für zu großzügig hält, hat vermutlich noch nie eine Grippe mitten in einem Projekt gehabt.
Die letzte Zeile des Rechners zeigt deshalb immer, was ein einzelner ausgefallener Tag kostet. Nicht als Drohung, sondern damit die Zahl nicht abstrakt bleibt.
Wann die Zahl nicht gilt
In der Überarbeitung. Dort sinkt die Wortzahl, wenn du gut arbeitest. Nimm Zeit, Szenen oder Kapitel; die Übersicht der Kennzahlen nach Projekttyp nennt für jeden Fall eine Einheit.
In den ersten vier Wochen eines Projekts. Vorher weißt du nicht, wie groß eine typische Sitzung bei dir ausfällt. Der Rechner sagt dir dann, was nötig wäre, nicht, was geht.
Bei Texten, die vor allem Recherche sind. Ein Tag mit drei gelesenen Aufsätzen und null geschriebenen Wörtern kann der produktivste der Woche sein.
Wenn der Termin nicht dir gehört. Ein Verlagstermin lässt sich nicht wegrechnen. Dann ist die einzige Stellschraube der Umfang, und die Antwort steht früh fest, nicht im letzten Monat.
Was sonst im Feld steht
Ein deutschsprachiger Rechner existiert, anders als es die erste Recherche für diesen Blog vermutet hatte. Der Schreibzeit-Rechner von anleitung-zum-schreiben.de fragt Wortzahl, Schreibgeschwindigkeit, Textart, Überarbeitungsanteil und Pausenpuffer ab und schätzt daraus die Gesamtzeit eines Projekts in Stunden und Sitzungen.
Er beantwortet damit eine andere Frage als dieser hier. Dort geht es darum, wie lange man insgesamt braucht. Hier darum, wie viel heute entstehen muss, damit ein feststehender Termin hält. Wer seine Schreibgeschwindigkeit kennt und noch keinen Termin hat, ist dort besser aufgehoben.
Welche Zielwortzahl soll ich eintragen?
Die des fertigen Textes, nicht die der Rohfassung. Wer beim Überarbeiten erfahrungsgemäß kürzt, trägt eher etwas mehr ein. Bei Abschlussarbeiten steht die Zahl meist in der Prüfungsordnung, oft als Seitenzahl.
Warum fragt der Rechner nach Wochentagen statt nach einer Anzahl?
Weil beides nicht dasselbe ist. Drei Schreibtage pro Woche können bis zu einem nahen Termin vier oder drei echte Termine bedeuten, je nachdem, welche Wochentage es sind und wann du anfängst. Bei kurzen Fristen macht das bis zu einem Drittel aus.
Rechnet der Rechner Feiertage und Urlaub heraus?
Nein. Genau dafür ist der Puffer da: Er nimmt pauschal 40 Prozent der Tage heraus, ohne zu fragen, warum sie ausfallen. Wer einen dreiwöchigen Urlaub im Zeitraum hat, setzt besser den Termin oder die Schreibtage entsprechend.
Was mache ich, wenn das Ergebnis unrealistisch hoch ist?
Drei Stellschrauben, in dieser Reihenfolge: einen Schreibtag mehr pro Woche, einen späteren Termin, weniger Umfang. Die vierte Möglichkeit, einfach schneller zu schreiben, ist die einzige, die selten funktioniert.
Werden meine Eingaben gespeichert?
Nein. Der Rechner läuft vollständig in deinem Browser, es geht nichts an einen Server. Deshalb sind die Werte auch weg, wenn du die Seite neu lädst.
Was du damit machst
Trag deine Zahlen ein und sieh dir die Zeile mit dem Puffer an, nicht die darüber. Wenn sie dir zu hoch vorkommt, ist das die nützlichste Information, die dieser Rechner liefert, und sie kommt heute statt im letzten Monat vor der Abgabe.
Weitere Kennzahlen und Umrechnungen sammeln wir unter Wortziele & Kennzahlen, die Studienlage dazu unter Daten & Studien.