Wortanzahl nach Genre: Von Kurzgeschichte bis Epos

Wie viele Wörter hat ein Roman, eine Novelle oder eine Kurzgeschichte? Die Genre-Spannen von epubli und BoD im Vergleich, dazu elf nachgezählte Klassiker.
Stapel aus gebundenen Büchern unterschiedlicher Dicke von schräg unten vor hellem Hintergrund, oben ein blauer Einband, unten ein roter
Foto: Beau Carpenter auf Unsplash

Ein Roman hat je nach Genre meist zwischen 50.000 und 120.000 Wörter. Für Krimi, Thriller und Liebesroman nennen die deutschen Übersichten oft 70.000 bis 100.000 Wörter. Für Fantasy und Science-Fiction nennen sie meist 100.000 Wörter und mehr, für historische Romane bis zu 150.000.

Kürzere Texte haben eigene Namen. Eine Kurzgeschichte hat meist weniger als 5.000 Wörter. Eine Novelle liegt etwa zwischen 15.000 und 50.000 Wörtern.

Diese Zahlen sind Faustregeln von Verlagen und Dienstleistern. Verbindlich sind sie nicht, und viele bekannte Bücher passen nicht hinein. Goethes „Werther“ hat zum Beispiel 38.767 Wörter. Nach den heutigen Tabellen wäre er damit zu kurz für einen Roman.

Unten findest du die vollständige Tabelle nach Genre. Danach erfährst du, wie viele Seiten eine Wortzahl ergibt, wo es echte Grenzen gibt und wie lang bekannte Bücher tatsächlich sind.

Wortanzahl nach Genre: die Tabelle

In Deutschland veröffentlichen vor allem zwei Selfpublishing-Dienstleister solche Übersichten, epubli und Books on Demand, kurz BoD. Die Tabelle stellt beide nebeneinander.

Wortzahlen nach Genre bei epubli und BoD, abgerufen im Oktober 2026. epubli nennt die Zeile Fachbuch, BoD Sachbuch und Romance. BoD fasst Science-Fiction und Fantasy zusammen
GenreepubliBooks on Demand
Kurzgeschichteunter 5.000keine Angabe
Novelle15.000 bis 50.000keine Angabe
Kinderbuch bis 8 Jahre50 bis 10.000keine Angabe
Kapitelbuch, 8 bis 12 Jahre15.000 bis 50.000keine Angabe
Ratgeber40.000 bis 75.000keine Angabe
Liebesroman, Romance50.000 bis 110.00065.000 bis 105.000
Jugendroman50.000 bis 110.000keine Angabe
Krimi und Thriller70.000 bis 100.00065.000 bis 120.000
Fachbuch, Sachbuch60.000 bis 110.00065.000 bis 120.000
Biografie60.000 bis 110.000keine Angabe
Historischer Roman75.000 bis 130.00075.000 bis 150.000
Fantasy100.000 bis 130.000, High Fantasy ab 130.000100.000 bis 165.000
Science-Fictionkeine eigene Zahl100.000 bis 165.000

Die beiden Anbieter sind sich nicht immer einig. Beim Krimi und beim historischen Roman liegen ihre Obergrenzen 20.000 Wörter auseinander. Das sind in einem Taschenbuch ungefähr 70 Seiten.

Für deine Planung ist die Mitte einer Spanne meist der sicherste Wert. Ein Krimi mit 85.000 Wörtern liegt bei beiden Anbietern im Rahmen. Wenn du bei einem bestimmten Verlag einreichen möchtest, schau zuerst in dessen eigene Hinweise. Was dort steht, gilt für dein Manuskript mehr als jede allgemeine Tabelle.

Wie viele Seiten sind das?

Wie viele Seiten eine Wortzahl ergibt, hängt stark vom Satz ab. Auf eine Taschenbuchseite im Format 12,5 mal 19 Zentimeter passen bei 10 Punkt Schriftgröße eng gesetzt 296 Wörter. Großzügig gesetzt sind es nur 199. Wie diese Werte gemessen wurden, steht im Artikel über Wörter pro Seite.

Am Beispiel eines Romans mit 80.000 Wörtern sieht das so aus:

  1. Normseiten. Eine Normseite hat 1.500 Zeichen. Bei durchschnittlich 6,54 Zeichen pro Wort ergeben 80.000 Wörter 349 Normseiten.

  2. Buchseiten. Eng gesetzt sind es 271 Seiten, großzügig gesetzt 402. Titelei und Kapitelanfänge kommen noch dazu.

  3. Schreibwochen. Wer an fünf Tagen pro Woche 500 Wörter schreibt, braucht für 80.000 Wörter 32 Wochen. Mit dem Schreibziel-Rechner kannst du das für deine eigene Deadline ausrechnen.

Ob du im Alltag Wörter, Zeit oder Seiten zählen solltest, hängt eher von der Projektphase ab als vom Genre. Mehr dazu steht im Vergleich Wörter, Zeit oder Seiten. Welches Tagespensum realistisch ist, erklärt der Artikel über Wörter pro Tag.

Wo gibt es feste Grenzen?

Die Genre-Spannen sind Empfehlungen. Ein Manuskript wird nicht automatisch abgelehnt, weil es etwas kürzer oder länger ist. An einigen Stellen gibt es aber echte Grenzen. Wer sie überschreitet, wird abgelehnt oder in eine andere Kategorie eingeordnet.

Fünf Bereiche, in denen eine Länge tatsächlich entscheidet
BereichGrenzeBeispiel
LiteraturpreiseKurzgeschichte unter 7.500 Wörtern, Roman ab 40.000 WörternHugo Award, Nebula Award
Schreibwettbewerbeoft wenige tausend Zeichen6.000 Zeichen in Weinstadt, 7.500 in Münster
Zeitschriftenfeste Obergrenze in Wörternhöchstens 5.000 Wörter bei Strange Horizons
Druck24 bis 828 SeitenTaschenbuch bei Amazon KDP
Buchstatistikmindestens 49 SeitenDefinition der UNESCO

Literaturpreise. Die bekanntesten Längendefinitionen stammen von zwei Science-Fiction-Preisen. Der Hugo Award unterscheidet vier Kategorien. Eine Short Story hat weniger als 7.500 Wörter. Eine Novelette hat 7.500 bis 17.500 Wörter und eine Novella 17.500 bis 40.000 Wörter. Ab 40.000 Wörtern gilt ein Text als Roman. Die Nebula-Regeln verwenden dieselben Grenzen. Bei den Hugos gibt es allerdings einen Spielraum von 20 Prozent. Liegt ein Text so nah an einer Grenze, darf er in die Nachbarkategorie verschoben werden (WSFS-Verfassung, Abschnitt 3.2.10).

Schreibwettbewerbe. Deutsche Wettbewerbe geben die Länge meist in Zeichen an. Die Universität Münster erlaubte 2026 höchstens 7.500 Zeichen, die Stadtbücherei Weinstadt höchstens 6.000. Das sind nur etwa 1.150 und 920 Wörter. Eine Kurzgeschichte mit 5.000 Wörtern wäre für beide Wettbewerbe rund viermal zu lang.

Zeitschriften. Magazine für Kurzgeschichten nennen ihre Grenzen in den Einsendehinweisen. Die meisten bekannten Beispiele kommen aus dem englischsprachigen Raum. Strange Horizons nimmt höchstens 5.000 Wörter an. Clarkesworld nimmt Texte mit 1.000 bis 22.000 Wörtern und zahlt 14 Cent pro Wort. Bei Asimov’s Science Fiction sinkt das Honorar ab 7.500 Wörtern. Für jedes weitere Wort gibt es dort nur noch 8 Cent.

Druck. Bei Amazon KDP muss ein Taschenbuch mindestens 24 und darf höchstens 828 Seiten haben. Je nach Papier und Format liegt die Obergrenze etwas niedriger (KDP-Richtlinien für Taschenbücher). Bei eng gesetzten Seiten sind das etwa 7.100 bis 245.000 Wörter. Ein längeres Buch muss in mehreren Bänden erscheinen.

Buchstatistik. Für die Statistik gilt eine Druckschrift erst ab 49 Seiten als Buch. Kürzere Hefte zählen als Broschüre. So hat es die UNESCO 1964 festgelegt (UNESCO-Empfehlung zur Statistik der Buchproduktion). Eng gesetzt sind 49 Seiten etwa 14.500 Wörter. Eine Novelle mit 15.000 Wörtern kommt auf 51 Seiten und zählt damit gerade noch als Buch.

Gelten die Zahlen auch auf Englisch?

Das gilt nur mit Einschränkung. Die Grenzen von Hugo und Nebula beziehen sich auf englische Wörter. Bei übersetzten Werken zählt laut Nebula-Regeln ausdrücklich die englische Wortzahl. Ein englischer Text braucht aber für denselben Inhalt mehr Wörter als ein deutscher. Das liegt vor allem daran, dass das Deutsche viele Begriffe zu einem Wort zusammensetzt.

Wie groß der Unterschied ist, haben wir an sechs Werken gemessen, die es in beiden Sprachen frei gibt.

Wortzahl desselben Werks auf Deutsch und auf Englisch. Jede Übersetzung stammt von einer anderen Person
Werkdeutschenglischenglisch je deutsch
Immensee9.71111.2501,16
Die Verwandlung19.24221.9341,14
Der Tod in Venedig24.92828.3121,14
Die Leiden des jungen Werther38.76742.3811,09
Der Prozess71.85383.7061,16
Buddenbrooks232.774229.9520,99

Fünf der sechs Übersetzungen sind 9 bis 16 Prozent länger als das Original. Im Median sind es 14 Prozent. Nur die englischen Buddenbrooks sind etwas kürzer. Das liegt vermutlich an der Übersetzerin und nicht an der Sprache.

Umgerechnet liegen die Hugo-Grenzen damit bei etwa 6.600, 15.400 und 35.200 deutschen Wörtern. Ein deutscher Text mit 36.000 Wörtern würde auf Englisch also voraussichtlich als Roman gelten.

Eigentlich müssten deutsche Genre-Tabellen deshalb niedrigere Wortzahlen nennen als englische. Das ist aber nicht so. Die englischen Übersichten von The Novelry und selfpublishing.com nennen für viele Genres dieselben Untergrenzen wie die deutschen, beim Krimi zum Beispiel 65.000 Wörter. Die Obergrenzen liegen auf Englisch oft sogar niedriger. Für einen Krimi nennen sie höchstens 100.000 Wörter, BoD dagegen 120.000. Warum das so ist, lässt sich nicht sagen, weil keine der deutschen Übersichten ihre Quellen nennt.

Wie lang sind bekannte Bücher?

Um die Tabellen mit echten Büchern zu vergleichen, haben wir elf deutschsprachige Klassiker selbst ausgezählt. Die letzte Spalte zeigt, wie der Hugo Award das Werk einordnen würde.

Elf Klassiker, nachgezählt. Normseiten sind die gezählten Zeichen geteilt durch 1.500
WerkJahrGattung laut WerkWörterNormseitennach Hugo
Immensee, Storm1849Novelle9.71140Novelette
Der arme Spielmann, Grillparzer1848Erzählung14.92563Novelette
Die Verwandlung, Kafka1915Erzählung19.24281Novella
Der Tod in Venedig, Mann1912Novelle24.928113Novella
Der Schimmelreiter, Storm1888Novelle38.174154Novel
Die Leiden des jungen Werther, Goethe1774Roman38.767159Novel
Der Prozess, Kafka1925Roman71.853299Novel
Das Nibelungenlied, Simrocks Übersetzungum 1200Epos85.949332Novel
Effi Briest, Fontane1895Roman95.848391Novel
Buddenbrooks, Mann1901Roman232.7741.000Novel
Der Zauberberg, Mann1924Roman307.8971.349Novel

Der Werther und Der Schimmelreiter haben jeweils gut 38.000 Wörter. Damit liegen sie unter der Roman-Untergrenze beider deutscher Tabellen. Nach den Hugo-Regeln gelten sie dagegen als Roman, weil sie auf Englisch mehr als 40.000 Wörter haben. Beim Werther ist das gezählt, beim Schimmelreiter geschätzt.

Auch Novellen sind sehr unterschiedlich lang. Immensee hat knapp 10.000 Wörter, Der Schimmelreiter fast viermal so viele. Eine Novelle wird über ihre Form bestimmt, etwa über ein zentrales, ungewöhnliches Ereignis. Die Länge spielt dafür kaum eine Rolle.

Der Zauberberg ist mit 307.897 Wörtern das längste Werk in der Liste. Eng gesetzt wären das rund 1.040 Taschenbuchseiten. Bei Amazon wäre das zu viel für einen Band. Auch die Erstausgabe von 1924 erschien in zwei Bänden.

Wann passen die Genre-Spannen nicht?

Die Spannen passen am besten zu einem einzelnen Roman für Erwachsene, der als gedrucktes Buch erscheinen soll. In anderen Fällen helfen sie wenig:

  • Bilderbücher richten sich nach einer festen Seitenzahl. Der Text muss sich danach richten.

  • Buchreihen sollten Bände von ähnlicher Länge haben. Das ist wichtiger als der Durchschnitt des Genres.

  • Sachbücher mit Bildern, Tabellen und Fußnoten brauchen für dieselbe Seitenzahl weniger Wörter.

  • E-Books haben keine festen Seiten. Die Grenzen aus dem Druck fallen dort weg.

Wenn du ein Debüt bei einem Publikumsverlag einreichen willst, solltest du die Spannen dagegen ernst nehmen. Sie zeigen ungefähr, was Verlage kaufen. Viele Verlage nennen in ihren Einsendehinweisen allerdings keine Wortzahl. Carlsen bittet in seinen Hinweisen zum Einsenden von Manuskripten zum Beispiel nur um eine kurze Inhaltsangabe oder ein Probekapitel.

Wie viele Wörter hat ein Roman im Durchschnitt?

Einen verlässlichen Durchschnitt gibt es nicht, weil niemand die Wortzahlen veröffentlichter Romane systematisch erfasst. Die fünf Romane in unserer Tabelle haben zwischen 38.767 und 307.897 Wörter. Der Median liegt bei 95.848 Wörtern. Für Krimi, Thriller und Liebesroman ist eine Spanne von 70.000 bis 100.000 Wörtern ein guter Planungswert.

Wie viele Normseiten sind 80.000 Wörter?

Ungefähr 349 Normseiten. Gerechnet ist das mit 6,54 Zeichen pro Wort und 1.500 Zeichen pro Normseite. Bei den Klassikern oben liegt die Zeichenzahl pro Wort zwischen 6,07 und 6,78. Damit ergeben 80.000 Wörter je nach Text 324 bis 362 Normseiten. Mehr dazu steht im Artikel zur Normseite.

Was unterscheidet eine Novelle von einer Kurzgeschichte?

Vor allem die Form. Eine Novelle erzählt meist ein einzelnes, ungewöhnliches Ereignis mit einem Wendepunkt. Eine Kurzgeschichte beginnt oft mitten im Geschehen und hat ein offenes Ende. Novellen sind außerdem deutlich länger. In unserer Tabelle haben sie 9.711 bis 38.174 Wörter.

Mein Manuskript ist 40.000 Wörter zu lang. Was bedeutet das?

Eng gesetzt sind das rund 135 Taschenbuchseiten. Wie viel Arbeit das Kürzen macht, hängt davon ab, ob du ganze Szenen streichst oder einzelne Sätze kürzt. Erfasse die Überarbeitung getrennt vom Schreiben. Sonst sieht dein Schreibfortschritt in dieser Phase wie ein Rückschritt aus.

Gelten die Zahlen auch für englische Manuskripte?

Nicht direkt. In unserer Messung waren englische Übersetzungen meist 9 bis 16 Prozent länger als das deutsche Original. Ein Roman mit 85.000 deutschen Wörtern hätte auf Englisch also etwa 97.000 Wörter. Für ein englisches Manuskript solltest du deshalb mit der englischen Wortzahl und mit englischen Genre-Tabellen planen.

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